Ratgeber & Vergleich

Fassadendämmung: WDVS vs. Einblasdämmung vs. hinterlüftete Fassade

Die Außenwand ist bei den meisten Bestandsgebäuden die größte zusammenhängende Verlustfläche der Gebäudehülle – oft entweicht hier ein Viertel bis ein Drittel der Heizwärme. Entsprechend groß ist der Hebel, wenn man sie dämmt. Doch „Fassade dämmen“ ist keine einzelne Maßnahme, sondern eine Grundsatzentscheidung zwischen drei bauphysikalisch sehr verschiedenen Systemen: dem verklebten Wärmedämmverbundsystem (WDVS), der eingeblasenen Kerndämmung im Hohlraum zweischaliger Wände und der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF). Die drei unterscheiden sich beim Preis um mehr als das Zehnfache pro Quadratmeter, erreichen sehr unterschiedliche Dämmwirkungen und passen jeweils nur auf bestimmte Wandaufbauten. Dieser Ratgeber ordnet die Verfahren nach Kosten, erreichbarem U-Wert, bauphysikalischem Risiko und Fördermechanik ein – neutral und ohne Produktinteresse. Am Ende wissen Sie, welches System zu Ihrer Wand passt und wie Sie den Förderrahmen 2026 ausschöpfen. Alle Zahlen sind Erfahrungswerte für Deutschland 2026; die verbindliche Kalkulation liefert immer der Vor-Ort-Termin mit einem Fachbetrieb oder Energieberater.

Warum das System zur Wand passen muss – nicht umgekehrt

Die häufigste Fehlannahme lautet, man wähle das Dämmsystem nach Budget oder Optik. Tatsächlich schränkt der vorhandene Wandaufbau die Optionen von vornherein stark ein. Die erste und wichtigste Frage ist deshalb nicht, was es kostet, sondern ob Ihre Außenwand einschalig oder zweischalig ist.

Eine einschalige Wand – ein durchgehendes Mauerwerk aus Ziegel, Kalksandstein, Beton oder Porenbeton, verputzt – hat keinen inneren Hohlraum. Sie lässt sich nur von außen (WDVS oder VHF) oder von innen (Innendämmung) dämmen. Eine eingeblasene Kerndämmung ist hier technisch ausgeschlossen, weil schlicht kein Hohlraum zum Verfüllen existiert. Zweischaliges Mauerwerk dagegen – typisch für Nord- und Küstenregionen sowie viele Bauten der 1950er- bis 1980er-Jahre – besteht aus einer tragenden Innenschale und einer davorstehenden Verblend- oder Vormauerschale, getrennt durch eine Luftschicht von meist vier bis acht Zentimetern. Genau dieser Spalt ist das Einsatzgebiet der Einblasdämmung.

Wer diesen Aufbau kennt, hat die Auswahl bereits halbiert. Ein ehrlicher Handwerker oder Energieberater klärt deshalb zuerst per Endoskopie durch ein kleines Bohrloch, wie die Wand aufgebaut ist, wie breit ein etwaiger Hohlraum ist und ob er frei von Mörtelbrücken und Bauschutt ist – erst danach folgt die Systemempfehlung. Wird Ihnen ein System angeboten, ohne dass jemand in die Wand geschaut hat, ist Skepsis angebracht.

WDVS: der universelle Standard mit dem besten Preis-Dämmwert-Verhältnis

Das Wärmedämmverbundsystem ist das mit Abstand meistverbaute Fassadendämmsystem in Deutschland und für einschalige Wände praktisch der Standardfall. Aufbau: Dämmplatten – meist expandiertes Polystyrol (EPS, umgangssprachlich Styropor) oder Mineralwolle – werden direkt auf die tragende Wand geklebt und teils gedübelt, mit einem Armierungsgewebe überzogen und mit einem Systemputz als Wetterschutz abgeschlossen. Dämmung, Armierung und Putz bilden einen verbundenen, geschlossenen Aufbau, daher der Name.

Der große Vorteil ist die frei wählbare Dämmstärke. Weil das System vor die Wand gebaut wird, lässt sich die Dicke nach dem gewünschten Zielwert bemessen – übliche Stärken liegen zwischen 14 und 20 Zentimetern. Damit erreicht ein WDVS U-Werte von etwa 0,15 bis 0,20 W/(m²K) und unterschreitet die GEG-Mindestanforderung von 0,24 W/(m²K) deutlich. Genau diese Flexibilität macht das WDVS zum einzigen der drei Systeme, das den für die BEG-Förderung nötigen Wert von 0,20 W/(m²K) zuverlässig und in nahezu jedem Fall erreicht.

Die Kosten liegen 2026 bei rund 135 bis 165 Euro pro Quadratmeter mit EPS-Dämmung, inklusive Material, Arbeitslohn und Gerüst. Mineralwolle als nicht brennbarer, diffusionsoffener Dämmstoff verteuert das System auf etwa 155 bis 200 Euro pro Quadratmeter, ist aber bei Brandschutzanforderungen (etwa ab bestimmten Gebäudehöhen) und für ein besseres Feuchteverhalten oft die richtige Wahl. Nachteile: Die Fassade wird um die Dämmstärke dicker, was Dachüberstände, Fensterbänke, Rollladenkästen und Anschlüsse betrifft; der geschlossene Verbund ist bei Schäden aufwendiger zu reparieren; und die Optik ist auf verputzte Oberflächen festgelegt. Für die große Mehrheit der freistehenden Ein- und Zweifamilienhäuser mit Putzfassade bleibt das WDVS dennoch die wirtschaftlich und energetisch überzeugendste Lösung.

Einblasdämmung: günstig und schnell – aber nur mit dem richtigen Hohlraum

Die Einblasdämmung ist kein eigenes Fassadensystem im engeren Sinn, sondern ein Verfahren: In den Hohlraum eines zweischaligen Mauerwerks wird durch kleine Bohrlöcher in der Außenschale ein loser Dämmstoff – etwa Einblas-Mineralwolle, EPS-Granulat (Perlen) oder Zellulose – druckluftgestützt eingeblasen, bis der Spalt lückenlos verfüllt ist. Die Bohrlöcher werden anschließend verschlossen und optisch angepasst. Ein erfahrenes Team schafft ein Einfamilienhaus meist an einem einzigen Tag, ohne Gerüst und ohne dass die Fassadenoptik sich sichtbar verändert.

Das ist der große Reiz dieses Verfahrens: Es ist mit Abstand das günstigste. 2026 liegen die Kosten bei etwa 15 bis 50 Euro pro Quadratmeter; für ein typisches Einfamilienhaus mit rund 130 m² Fassadenfläche bedeutet das Gesamtkosten von grob 2.000 bis 4.000 Euro – ein Bruchteil eines WDVS oder einer VHF. Angebote deutlich unter etwa 25 Euro pro Quadratmeter sind allerdings ein Warnsignal: Seriöse Betriebe kalkulieren Endoskopie, Anfahrt, Montage und das saubere Schließen der Bohrlöcher mit ein.

Der entscheidende Haken ist die begrenzte Dämmwirkung. Die erreichbare Dämmstärke ist durch die Hohlraumbreite fest vorgegeben – meist nur vier bis acht Zentimeter. Damit landet der U-Wert der gedämmten Wand realistisch bei etwa 0,30 bis 0,50 W/(m²K). Das ist eine spürbare Verbesserung gegenüber dem ungedämmten Zustand, unterschreitet aber den für die BEG-Einzelmaßnahmen-Förderung geforderten U-Wert von 0,20 W/(m²K) in vielen Fällen nicht. Vor jeder Kalkulation mit Förderung muss deshalb geprüft werden, ob der vorhandene Hohlraum überhaupt einen förderfähigen Zielwert zulässt. Weitere Grenzen: Ist der Hohlraum zu schmal, verschmutzt, durch Mörtelbrücken unterbrochen oder feucht, verteilt sich der Dämmstoff ungleichmäßig, und es können sich Wärmebrücken oder im ungünstigen Fall Feuchteprobleme bilden. Die sorgfältige Voruntersuchung ist hier nicht optional, sondern der wichtigste Qualitätsschritt.

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF): Königsklasse in Optik, Bauphysik und Langlebigkeit

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade ist das aufwendigste und teuerste der drei Systeme – und in mehreren Disziplinen das leistungsfähigste. Der Aufbau erfolgt in klar getrennten Schichten: Auf die tragende Wand wird eine Unterkonstruktion aus Metall oder Holz montiert, dazwischen liegt die Dämmung (meist Mineralwolle), davor eine sichtbare Bekleidung – etwa Faserzementplatten, Holz, Klinkerriemchen, Keramik, Metall oder Naturstein. Zwischen Dämmung und Bekleidung bleibt ein durchgehender Luftspalt, die namensgebende Hinterlüftung.

Genau dieser Luftspalt ist der bauphysikalische Trumpf. Er führt Feuchtigkeit, die von innen nach außen wandert, zuverlässig ab und hält die Dämmebene trocken. Das Risiko von Tauwasser und Schimmel in der Konstruktion sinkt deutlich – ein Vorteil, der die VHF gerade bei anspruchsvollen Sanierungen und feuchtebelasteten Wänden attraktiv macht. Wie beim WDVS ist die Dämmstärke frei wählbar, sodass sehr gute U-Werte erreichbar sind und der BEG-Zielwert problemlos unterschritten wird. Hinzu kommen die größte Gestaltungsfreiheit aller Systeme, ausgezeichneter Schallschutz, hohe Robustheit mit geringem Wartungsbedarf und eine Lebensdauer, die über Jahrzehnte reicht.

Ein zunehmend wichtiges Argument ist die Rückbaufähigkeit: Weil die Schichten nicht verklebt, sondern mechanisch gefügt sind, lassen sich Bekleidung, Dämmung und Unterkonstruktion am Lebensende sortenrein trennen und wiederverwerten – ein klarer Nachhaltigkeitsvorteil gegenüber dem verbundenen WDVS. Der Preis dafür ist hoch: Je nach Bekleidungsmaterial liegen die Kosten 2026 grob zwischen 90 und 400 Euro pro Quadratmeter, bei hochwertigen Materialien und aufwendiger Unterkonstruktion eher am oberen Ende. Für Sichtbeton-Ästhetik, denkmalnahe Gestaltung, integrierte Photovoltaik- oder Begrünungselemente und für Objekte, bei denen Langlebigkeit und Werterhalt im Vordergrund stehen, ist die VHF trotzdem oft die überlegene Wahl.

U-Wert und Förderfähigkeit: der eine Wert, an dem viele Anträge scheitern

Für die energetische Bewertung zählt der U-Wert – der Wärmedurchgangskoeffizient in W/(m²K). Er beschreibt, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Grad Temperaturdifferenz durch die Wand verloren geht; je niedriger, desto besser. Eine ungedämmte Altbauwand liegt oft bei 1,0 bis 1,5 W/(m²K) oder darüber. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt bei einer nachträglichen Fassadendämmung einen Zielwert von höchstens 0,24 W/(m²K). Die Bundesförderung geht darüber hinaus: Für einen Zuschuss aus den BEG-Einzelmaßnahmen muss die gedämmte Wand einen U-Wert von 0,20 W/(m²K) oder besser erreichen.

An dieser 0,20er-Marke entscheidet sich, welches System förderfähig ist. WDVS und VHF erreichen den Wert über die frei wählbare Dämmstärke praktisch immer. Die Einblasdämmung ist dagegen an die vorhandene Hohlraumbreite gebunden und landet mit vier bis acht Zentimetern häufig nur bei 0,30 bis 0,50 W/(m²K) – also oberhalb der Förderschwelle. Das bedeutet nicht, dass sich eine Einblasdämmung nicht lohnt: Sie ist so günstig, dass sie sich oft auch ohne Zuschuss rechnet und energetisch klar besser ist als eine ungedämmte Wand. Es bedeutet aber, dass man die Förderfähigkeit nicht voraussetzen darf, sondern vom tatsächlichen, nachgerechneten U-Wert abhängig machen muss. Wer mit fest eingeplantem Zuschuss kalkuliert und dann am Zielwert scheitert, hat sich verrechnet. Die belastbare U-Wert-Berechnung liefert der Energieberater – und sie ist ohnehin Voraussetzung für jeden Förderantrag.

Förderung 2026: BEG-Zuschuss oder Steuerbonus – und warum die Reihenfolge zählt

Für die Fassadendämmung gibt es 2026 zwei sich gegenseitig ausschließende Förderwege. Erster Weg: der Zuschuss über die Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM), beantragt beim BAFA. Er beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten, plus 5 Prozent Bonus, wenn die Maßnahme in einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) steht – zusammen also bis zu 20 Prozent. Die anrechenbaren Höchstkosten liegen bei 30.000 Euro je Wohneinheit und Jahr; mit iSFP verdoppeln sie sich auf 60.000 Euro. Voraussetzungen: der U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²K), die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten und – zentral – die Antragstellung vor Beauftragung des Handwerkers. Wer zuerst den Vertrag unterschreibt, verliert den Anspruch.

Zweiter Weg: der Steuerbonus nach §35c EStG. Er gilt für selbstgenutztes Wohneigentum und beträgt 20 Prozent der Kosten, verteilt über drei Jahre (7 Prozent im ersten, 7 Prozent im zweiten, 6 Prozent im dritten Jahr), bei einem Höchstbetrag der Steuerermäßigung von 40.000 Euro je Objekt. Der Vorteil: kein Antrag vorab, keine Energieberater-Pflicht für die Antragstellung, abgewickelt über die Steuererklärung. Der Haken: Beide Wege sind nicht kombinierbar. Für dieselbe Maßnahme können Sie entweder den BAFA-Zuschuss oder den Steuerbonus nutzen, nicht beides.

Welcher Weg günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab: Der BEG-Zuschuss zahlt sofort und lässt sich über den iSFP auf 20 Prozent und die doppelten Höchstkosten heben, verlangt aber Disziplin bei der Reihenfolge. Der Steuerbonus ist unkomplizierter, wirkt aber nur, wenn eine ausreichende Steuerlast vorhanden ist, und streckt den Vorteil über drei Jahre. Zusätzlich können regionale Programme von Ländern und Kommunen greifen; sie sind sehr unterschiedlich ausgestaltet und lassen sich teils mit der Bundesförderung kombinieren, teils nicht. Weil hier über mehrere Tausend Euro entschieden wird und ein falsch getakteter Antrag den ganzen Zuschuss kosten kann, lohnt der neutrale Vorab-Check.

Ein Hinweis zur Abgrenzung: Wer über die gedämmte Fassade hinaus auch Strom vom eigenen Dach denkt, findet die Themen Photovoltaik, Speicher, Einspeisevergütung und Wirtschaftlichkeit gesondert aufbereitet – der Förder-Check verweist bei Bedarf in den passenden Solar-Bereich.

Entscheidungshilfe: Welches System passt zu welchem Haus?

Aus den drei Profilen lässt sich eine klare Entscheidungslogik ableiten. Prüfen Sie in dieser Reihenfolge:

Schritt 1 – Wandaufbau klären. Hat Ihr Haus zweischaliges Mauerwerk mit einem intakten, ausreichend breiten Hohlraum? Dann ist die Einblasdämmung der erste Kandidat: günstig, schnell, ohne Gerüst, ohne Optikänderung. Rechnen Sie aber den erreichbaren U-Wert nach, bevor Sie mit Förderung planen. Ist die Wand einschalig, entfällt dieser Weg – weiter zu Schritt 2.

Schritt 2 – Optik, Budget und Anspruch abwägen. Für die verputzte Standardfassade eines Ein- oder Zweifamilienhauses ist das WDVS in aller Regel die wirtschaftlichste Vollsanierung: bester Preis pro erreichtem U-Wert, sicher förderfähig, breit verfügbar. Wählen Sie die VHF, wenn Ihnen Gestaltungsfreiheit (Holz, Klinker, Keramik, Metall), maximale bauphysikalische Sicherheit durch die Hinterlüftung, Schallschutz, Langlebigkeit oder die spätere sortenreine Rückbaubarkeit den Mehrpreis wert sind – oder wenn integrierte PV- oder Begrünungselemente geplant sind.

Schritt 3 – Sonderfälle beachten. Bei denkmalgeschützten oder gestalterisch geschützten Fassaden ist eine Außendämmung oft nicht zulässig; dann rückt die Innendämmung in den Blick, die eigene bauphysikalische Regeln hat und sorgfältige Planung braucht. Bei Brandschutzanforderungen führt der Weg zu nicht brennbaren Dämmstoffen (Mineralwolle) im WDVS oder zur VHF.

Eine gute Reihenfolge über das Gesamtprojekt hinweg ist ohnehin ratsam: Fassadendämmung sinnvoll mit Fenstertausch, Wärmebrücken-Details und einem stimmigen Heizungskonzept abstimmen, damit die Maßnahmen zusammenpassen und die Förderung optimal ausgeschöpft wird. Für diese Gesamtsicht ist der individuelle Sanierungsfahrplan das passende Werkzeug – er hebt zugleich die Förderquote und die Höchstkosten.

Fassadendämmung im Systemvergleich 2026 – Kosten, Dämmwirkung und Einsatzbereich (Erfahrungswerte Deutschland; verbindliche Zahlen nur nach Vor-Ort-Prüfung)
KriteriumEinblasdämmung (Kerndämmung)WDVS (Wärmedämmverbundsystem)Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)
Kosten pro m² (inkl. Montage)ca. 15–50 €ca. 135–200 €ca. 90–400 €
Voraussetzung Wandaufbauzweischalig, intakter Hohlraum 4–8 cmeinschalig oder zweischalig (Außendämmung)einschalig oder zweischalig (Außendämmung)
Dämmstärkedurch Hohlraum begrenzt (4–8 cm)frei wählbar, meist 14–20 cmfrei wählbar
Erreichbarer U-Wertca. 0,30–0,50 W/(m²K)ca. 0,15–0,20 W/(m²K)sehr gut, frei einstellbar
BEG-förderfähig (U ≤ 0,20)oft nicht erreichbar – prüfenja, zuverlässigja, zuverlässig
Bauzeit / Gerüstca. 1 Tag, ohne Gerüstmehrere Tage, Gerüst nötiglänger, Gerüst nötig
Optikänderungkeine sichtbarePutzfassade, dickerer Wandaufbauvolle Gestaltungsfreiheit
Bauphysik / FeuchteVoruntersuchung entscheidendrobust, verbundener Aufbausehr sicher durch Hinterlüftung
Rückbau / Recyclingbegrenztaufwendig (verklebt)sortenrein trennbar
Typischer EinsatzNachkriegs-/Küstenbauten mit HohlschichtStandard für PutzfassadenAnspruch an Optik, Langlebigkeit, PV/Begrünung

Häufige Fragen

Kann ich jede Fassade mit Einblasdämmung dämmen?

Nein. Die Einblasdämmung setzt einen Hohlraum voraus, den es nur bei zweischaligem Mauerwerk gibt – also einer tragenden Innenschale und einer davorstehenden Verblendschale mit Luftspalt dazwischen. Bei einschaligen Wänden (durchgehendes Mauerwerk, verputzt) fehlt dieser Hohlraum, sodass nur eine Außendämmung mit WDVS oder VHF oder eine Innendämmung möglich ist. Ob und wie breit ein Hohlraum vorliegt, klärt eine Endoskopie durch ein kleines Bohrloch vor Angebotserstellung.

Welches System bringt den besten U-Wert?

WDVS und die vorgehängte hinterlüftete Fassade, weil bei beiden die Dämmstärke frei wählbar ist – übliche 14–20 cm bringen U-Werte um 0,15–0,20 W/(m²K). Die Einblasdämmung ist an die vorhandene Hohlraumbreite (meist 4–8 cm) gebunden und erreicht realistisch nur 0,30–0,50 W/(m²K). Für höchste energetische Wirkung sind Außendämmsysteme daher überlegen; die Einblasdämmung punktet dafür bei Preis und Tempo.

Warum ist die Einblasdämmung oft nicht förderfähig?

Die BEG-Einzelmaßnahmen-Förderung verlangt nach der Dämmung einen U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²K). Diesen Zielwert erreicht die Einblasdämmung im typischen 4–8-cm-Hohlraum häufig nicht. WDVS und VHF unterschreiten ihn über die frei wählbare Dämmstärke dagegen zuverlässig. Deshalb sollte man die Förderfähigkeit einer Einblasdämmung nie voraussetzen, sondern vom nachgerechneten U-Wert abhängig machen – auch wenn sich das Verfahren wegen der niedrigen Kosten oft trotzdem lohnt.

Wie hoch ist die Förderung für eine Fassadendämmung 2026?

Über die BEG-Einzelmaßnahmen (BAFA) gibt es 15 Prozent Zuschuss, plus 5 Prozent Bonus mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) – zusammen bis zu 20 Prozent. Die förderfähigen Höchstkosten liegen bei 30.000 Euro je Wohneinheit und Jahr, mit iSFP bei 60.000 Euro. Wichtig: Der Antrag muss vor der Beauftragung gestellt werden und ein Energieeffizienz-Experte eingebunden sein. Alternativ gibt es den Steuerbonus nach §35c EStG mit 20 Prozent über drei Jahre, maximal 40.000 Euro – beide Wege sind nicht kombinierbar.

Was ist günstiger: BEG-Zuschuss oder Steuerbonus nach §35c EStG?

Das hängt vom Einzelfall ab. Der BEG-Zuschuss zahlt sofort und lässt sich mit iSFP auf 20 Prozent und doppelte Höchstkosten heben, verlangt aber die Antragstellung vor Auftragsvergabe und einen Energieberater. Der Steuerbonus ist unkomplizierter (über die Steuererklärung, kein Vorab-Antrag), wirkt aber nur bei ausreichender Steuerlast und verteilt sich über drei Jahre. Beide Wege schließen sich für dieselbe Maßnahme aus. Eine neutrale Vorab-Berechnung zeigt, welcher Weg für Ihr Vorhaben mehr bringt.

Lohnt sich die teure hinterlüftete Fassade überhaupt?

Sie lohnt sich dort, wo ihre Stärken zählen: maximale Gestaltungsfreiheit (Holz, Klinker, Keramik, Metall), sehr sichere Bauphysik durch die Hinterlüftung mit geringem Schimmelrisiko, hoher Schallschutz, sehr lange Lebensdauer und die sortenreine Rückbaubarkeit am Lebensende. Für eine schlichte Putzfassade eines Einfamilienhauses ist das WDVS meist deutlich wirtschaftlicher. Für werterhaltende Sanierungen, feuchtebelastete Wände oder integrierte PV- und Begrünungselemente kann die VHF den Mehrpreis rechtfertigen.

Muss ich meine Fassade laut GEG überhaupt dämmen?

Eine allgemeine Pflicht, jede Fassade zu dämmen, gibt es nicht. Das GEG greift vor allem, wenn Sie ohnehin sanieren: Wird die Fassade auf mehr als 10 Prozent der Fläche erneuert (etwa neuer Außenputz), muss der nachgerüstete Dämmstandard einen U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²K) erreichen. Wer die energetische Sanierung plant, sollte diese ohnehin fällige Anforderung gleich mit der Förderung (Zielwert 0,20 W/(m²K)) verbinden, statt zweimal Gerüst und Handwerker zu bezahlen.

Sollte ich zuerst die Fassade dämmen oder die Heizung tauschen?

Grundsätzlich senkt eine gedämmte Hülle den Heizbedarf, sodass die neue Heizung – etwa eine Wärmepumpe – kleiner dimensioniert und effizienter arbeiten kann. Die ideale Reihenfolge und Kombination hängt aber vom konkreten Gebäude, Budget und Förderrahmen ab und ist eine eigene Entscheidung. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) bringt beides in eine sinnvolle Abfolge, hebt die Förderquote und verhindert, dass sich einzelne Maßnahmen gegenseitig behindern.

Förder-Check starten

Die Wahl des Fassadensystems ist zuerst eine bauphysikalische, dann eine finanzielle Entscheidung: Einblasdämmung nur bei intaktem Hohlraum im zweischaligen Mauerwerk (günstig und schnell, aber begrenzter U-Wert), WDVS als universeller Standard mit dem besten Preis-Dämmwert-Verhältnis, VHF für hohen Anspruch an Optik, Bauphysik, Langlebigkeit und Rückbaubarkeit. Für die Förderung entscheidend ist der U-Wert von 0,20 W/(m²K) – den erreicht die Einblasdämmung im schmalen Hohlraum oft nicht, WDVS und VHF dagegen zuverlässig. Weil BEG-Zuschuss (bis 20 % mit iSFP) und §35c-Steuerbonus (20 % über drei Jahre) sich ausschließen und ein falsch getakteter Antrag den ganzen Zuschuss kosten kann, klären Sie den optimalen Weg am besten vorab: Der kostenlose Förder-Check von Check Erneuerbar zeigt neutral, welches System zu Ihrer Wand passt und wie Sie den Förderrahmen 2026 voll ausschöpfen.

Maßnahmen